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Cannabis auf Rezept

Am 09. M√§rz 2017 gab der Bundestag mit dem im Bundesgesetzblatt ver√∂ffentlichten Cannabis-Gesetz den Weg frei f√ľr die Verordnung von Cannabis auf Rezept. √Ąrzte k√∂nnen seitdem kranken Menschen Cannabis auf Rezept aus der Apotheke verschreiben und Krankenkassen sollen den Betroffenen die Kosten daf√ľr erstatten. Wie das in der Realit√§t aussieht und welche H√ľrden f√ľr ein Cannabis-Rezept auf Kosten der Krankenkassen genommen werden m√ľssen, erkl√§rt folgender Beitrag. 

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Medizinisches Cannabis

Mit dem Cannabis-Gesetz vom M√§rz 2017 scheinen alle Wege offen, Cannabis auf Rezept aus der Apotheke f√ľr die Behandlung schwerer Krankheiten vom Arzt zu bekommen. Das dachte man zumindest am Anfang und die Hoffnung vieler schwerkranker Menschen war gro√ü. Mittlerweile hat sich das ein wenig ge√§ndert, denn wer medizinisches Cannabis auf Rezept haben m√∂chte, hat einen langen und steinigen Weg zu bew√§ltigen. 


Cannabis als Medizin: Nicht so neu wie man denkt

Dass es sich bei Cannabis um eine uralte Heilpflanze handelt, ist nur den wenigsten bekannt. Tats√§chlich haben die Hanfpflanze und die Anwendung von Marihuana eine 5000 Jahre alte Tradition in China. Und auch in den arabischen L√§ndern, in Indien und in Europa reicht die pharmazeutische Nutzung zur√ľck bis in die Antike. Dazu wurde schon immer das Harz aus den Bl√ľten der weiblichen Cannabis Pflanzen genutzt, um Rheuma, Gicht oder auch Verstopfung zu behandeln. Und auch das Samen√∂l kam aufgrund seiner wohltuenden Inhalte wie Vitamin E und den Omega 3 und 6 Fetts√§uren zum Einsatz.


Cannabis im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert war der Anbau von Hanf und seine Nutzung zur Herstellung von Lampen√∂l, Textilien, Papier und Nahrungsmitteln in den USA und der restlichen westlichen Welt ein gro√üer landwirtschaftlicher Zweig. Im Gegensatz zum Orient waren die vielen medizinischen Anwendungsm√∂glichkeiten noch v√∂llig unbekannt bzw. geh√∂rten zu dem von der Kirche zur√ľckgehaltenen Wissen. Das √§nderte sich jedoch pl√∂tzlich mit der Wiederentdeckung des therapeutischen Potenzials der Pflanze. Und so erfreuten sich Elixiere und Pr√§parate aus Cannabis wachsender Beliebtheit und amerikanische Arzneimittelb√ľcher empfahlen Cannabis f√ľr die Therapie bei mehr als 100 Krankheiten. 

Nach Europa kam Cannabis durch den britischen Milit√§rarzt William Brooke O'Shaughnessy, der es in Indien entdeckte und seine schmerzstillende, entkrampfende und entspannende Wirkung feststellte. 


Worum geht es bei medizinischem Cannabis?

Durch das Cannabisgesetz von 2017 ist es deutschen √Ąrzten erlaubt, Marihuana bzw. Cannabisbl√ľten, Cannabis Extrakte und Arzneimittel mit dem Wirkstoff Dronabinol - besser bekannt als Tetrahydrocannabinol (THC) auf Rezept zu verordnen. Nicht auf Rezept bekommt man Marihuana zum Kiffen und Nahrungserg√§nzungsmittel aus Cannabis, wie zum Beispiel CBD √Ėl

Welche Mengen die Mediziner verschreiben d√ľrfen ist per Bet√§ubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV), ¬ß 2 Absatz 1 geregelt. Dieser besagt, dass ein Patient innerhalb von 30 Tagen max. 100 Gramm getrocknete Bl√ľten oder 1 Gramm Cannabisextrakt (bezogen auf den THC-Gehalt) erhalten darf.

Bei der Abgabe von Cannabis auf Rezept √ľber Apotheken unterscheidet man zwischen Fertigarzneimitteln und Rezepturarzneimitteln.

Fertigarzneimittel:

Die sogenannten Fertigarzneien auf Cannabis Basis sind in deutschen Apotheken in Form von Sprays und Kapseln erh√§ltlich. Diese d√ľrfen √Ąrzte verschreiben bei:

  • Spastiken und Schmerzen bei einer Multiplen Sklerose
  • Begleiterscheinungen einer Chemotherapie wie √úbelkeit und Erbrechen

Die meisten dieser Arzneimittel beruhen auf der Wirkung von THC. Allerdings gibt es mittlerweile in Europa auch ein erstes zugelassenes Medikament auf CBD Basis - Epidiolex. Es wird als Therapie bei einer bestimmten Form der Epilepsie von Kindern - dem sogenannten Dravet-Syndrom oder dem Lennox-Gastaut-Syndrom eingesetzt. 

Rezepturarzneimittel

Bei ihnen handelt es sich um Produkte, welche in Apotheken speziell f√ľr einen Patienten hergestellt werden. Darunter z√§hlen zum Beispiel Cannabis Extrakte, cannabinoidhaltige Tropfen oder Kapseln und pulverisierte Cannabisbl√ľten. Diese werden den Patienten in der Apotheke meist nicht in ihrer urspr√ľnglichen Form ausgeh√§ndigt, da sie so schlecht zu dosieren sind, sondern vom Apotheker gemahlen und dann als Pulver abgegeben. 

Obwohl CBD nicht offiziell als Arzneimittel gilt, kommen dennoch in den Cannabis Extrakten und Bl√ľten beide Cannabinoide - THC und Cannabidiol CBD - vor. 


Wie bekommt man in Deutschland Cannabis auf Rezept?

Cannabis auf Rezept gibt es in Deutschland nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen. So wird Cannabis verschrieben, wenn: 

  1. eine schwere Krankheit vorliegt. 
  2. eine anerkannte medizinische Behandlung nicht zur Verf√ľgung steht oder nach √§rztlicher Einsch√§tzung nicht m√∂glich ist.
  3. es eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht gibt, dass sich der Krankheitsverlauf oder starke Beschwerden sp√ľrbar bessern werden.
  4. Betroffene zustimmen, dass die Krankenkasse ihre Daten anonymisiert an das Bundesinstitut f√ľr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) √ľbermittelt.

Obwohl das Gesetz f√ľr die Verordnung von Cannabis das Vorhandensein einer schwerwiegenden Erkrankung vorschreibt, wird nicht genau definiert, welche Krankheiten oder Diagnosen f√ľr die Anwendung von Cannabis infrage kommen, damit Cannabis vom Arzt verschrieben werden kann. Ausschlaggebend, ob jemand Cannabis auf Rezept bekommt, ist die Einsch√§tzung der Erkrankung bez√ľglich ihrer Lebensbedrohlichkeit und ob sie die Lebensqualit√§t des Patienten auf Dauer stark beeintr√§chtigt.  

Ob Sie diese Voraussetzungen erf√ľllen, beurteilt im Grunde der behandelnde Arzt. Allerdings m√ľssen Sie auch Ihre Krankenkasse davon √ľberzeugen. Denn um eine Kosten√ľbernahme durchzusetzen, ist vor der ersten Verordnung durch den Arzt ein entsprechender Antrag bei der Krankenkasse zu stellen. Die Genehmigung durch diese stellt in der Regel die allergr√∂√üte H√ľrde dar. Denn im Gegensatz zu vielen √Ąrzten, die dazu bereit sind Cannabis auf Rezept zu verordnen, str√§uben sich die Krankenkassen in den meisten F√§llen die Kosten f√ľr medizinisches Cannabis zu √ľbernehmen. Und obwohl es sich bei den Sachbearbeitern nicht um einen Arzt handelt, stellen diese damit dessen Kompetenz h√§ufig infrage. Sicher haben Patienten die M√∂glichkeit, die Entscheidungen von Krankenkassen nicht zu akzeptieren und k√∂nnen Klage einreichen. Aber nicht jeder schwerkranke Mensch ist dazu in der Lage und auch nicht jeder Arzt w√ľrde das mittragen. 


Anwendungsgebiete von medizinischem Cannabis

Cannabis auf Rezept (1) kommt in Deutschland f√ľr folgende Anwendungsgebiete infrage:

Zur Behandlung:

  • von Schmerzen und Spastiken 
  • bestimmter Formen der kindlichen Epilepsie
  • von Nebenwirkungen einer Chemotherapie
  • neuropathischer Schmerzen und in der allgemeinen Schmerztherapie 

Cannabis wird in der Regel bei folgenden Erkrankungen verordnet:

  • neurologische Erkrankungen wie Epilepsie, Tourette oder Multipler Sklerose
  • Erkrankungen mit starken chronischen Schmerzen
  • chronisch entz√ľndliche Erkrankungen wie Rheuma
  • Krankheiten wie Krebs und HIV

Weitere Informationen dazu erhalten Menschen bei ihrem Arzt oder der Krankenkasse.

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Welche Cannabis-Mittel gibt es?

Wie bereits erwähnt wird Cannabis auf Rezept sowohl als Fertigarznei als auch als Rezepturarzneimittel verschrieben. Dazu zählen:

Nabilon und Nabiximols

Dronabinol

Medizinalhanf

Diese Wirkstoffe sind synthetische Cannabinoide, die als Mittel der zweiten Wahl zur Behandlung von Nebenwirkungen wie √úbelkeit und Erbrechen bei Patienten nach einer Chemotherapie auf Rezept verordnet werden. Es gibt sie als Kapseln oder als Mundspray.

Hierbei handelt es sich um einen sogenannten Reinstoff - also um das Cannabinoid Tetrahydrocannabinol aus den Bl√ľten der weiblichen Hanfpflanze. Es wird in der Regel in Form von √∂ligen Tropfen abgegeben.

Darunter versteht man das Pulver aus den getrockneten Cannabisbl√ľten und die Pflanzen Extrakte.

Die deutsche Beh√∂rde f√ľr Arzneimittel und Medizinprodukte - BfArM

In Deutschland ist das BfArM eine selbstst√§ndige Bundesoberbeh√∂rde im Gesch√§ftsbereich des Bundesministeriums f√ľr Gesundheit. In ihr arbeiten √Ąrzte, Apotheker, Chemiker, Biologen, Juristen, Ingenieure, technische Assistenten und Verwaltungsmitarbeiter unter anderem an der Zulassung von Arzneimitteln. Sie beaufsichtigt au√üerdem mithilfe der Cannabis-Agentur den Anbau von Medizinalhanf in Deutschland. Au√üerdem wurde das Bundesinstitut durch das Cannabis Gesetz damit betraut, eine nicht-interventionelle Begleiterhebung zur Anwendung f√ľr medizinisches Cannabis durchzuf√ľhren. Daf√ľr werden die entsprechenden medizinischen Daten von den Krankenkassen in anonymisierter Form an das BfArM √ľbermittelt. Zu Beginn der Anwendung werden zwar noch keine Daten weitergegeben, dennoch muss ein Arzt seine Patienten bereits darauf hinzuweisen, dass dies in Zukunft geschehen wird. Die eigentliche Erhebung erfolgt dann fr√ľhestens nach einem Jahr der Therapie mit medizinischem Cannabis bzw. nach Beendigung derselben, auch wenn diese vor dem einj√§hrigen Termin eintritt. Weitere Informationen zur Begleiterhebung f√ľr medizinisches Cannabis bekommen Patienten von ihrem behandelnden Arzt.


Die Cannabis Agentur ist was?

Seit dem Cannabis Gesetz aus dem Jahr 2017 ist die sogenannte Cannabis Agentur ein Fachgebiet des BfArM. Deren Aufgabe ist es den Anbau von Cannabis f√ľr medizinische Zwecke zu steuern und zu kontrollieren. Doch nicht nur das - sie nimmt nach eigenen Angaben das in Deutschland hergestellte medizinische Cannabis nach der Ernte auch in ihren Besitz.


Was Fachleute im Umgang mit medizinischem Cannabis empfehlen

F√ľr Menschen, die den Umgang mit Cannabis nicht gewohnt sind, eignen sich laut Experten Fertigarzneimittel besser als Cannabisbl√ľten und Extrakte. Und zwar deshalb, weil diese einfacher zu dosieren sind und man so nicht der Gefahr von starken unerw√ľnschten Nebenwirkungen ausgesetzt ist. Diese k√∂nnen n√§mlich bei der Anwendung von Cannabis als Medizin durchaus auftreten. Au√üerdem warnen die Fachleute davor am Anfang einer Behandlung, wenn Ihre Dosis gerade neu eingestellt wird, am Stra√üenverkehr teilzunehmen. 


Nebenwirkungen bei Cannabis zu medizinischen Zwecken

Spricht man von Nebenwirkungen bei Cannabis als Medizin ist in der Regel von der psychoaktiven Wirkung von THC auf den Menschen die Rede. Bei welcher Dosis diese auftreten, ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Fest steht, dass es genau wie bei Cannabisbl√ľten auch bei der Einnahme von Cannabis Arzneimitteln zu √§hnlichen Nebenwirkungen beim Menschen kommen kann. Denn die Hauptwirkstoffe des medizinischen Cannabis sind die gleichen Cannabinoide, die auch beim Kiffen wirken. 


Legalisierung von Cannabis

Nat√ľrlich bedeutet das Cannabis Gesetz nicht automatisch die Legalisierung von Cannabis in Deutschland. Hier unterliegt Cannabis immer noch dem Bet√§ubungsmittelgesetz. Dennoch ist es ein Schritt in die richtige Richtung. Fakt ist, dass ca. 4 Millionen Deutsche regelm√§√üig Marihuana konsumieren und nur ein geringer Teil von ihnen tats√§chlich Probleme mit den Cannabiskonsum hat und ein noch geringerer Teil eine Abh√§ngigkeit entwickelt. Daher pl√§dieren nicht nur Konsumenten, sondern auch viele Politiker und der Deutsche Hanfverband f√ľr eine Legalisierung von Cannabis. Besonders nachdem von der Suchtkommission der UN 2020 Cannabis von der Liste der gef√§hrlichen Drogen aufgrund der Bef√ľrwortung der Weltgesundheitsorganisation WHO gestrichen wurde (2), sehen sich die Bef√ľrworter der Legalisierung zus√§tzlich best√§tigt.


Quellenverzeichnis

  1. https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/cannabis-fuer-schwerkranke-auf-rezept-485740
  2. https://www.unodc.org/documents/commissions/CND/Scheduling_Resource_Material/Cannabis/Recommendations_backdrop.pdf?utm_medium=email&utm_source=newsletter&utm_campaign=INTL_20200422_NEWS_Daily